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KI in der Anwaltskanzlei: Was der EU AI Act für Anwälte bedeutet
Für Anwaltskanzleien ist der EU AI Act zweischneidig: Die eigene KI-Nutzung ist meist nicht hochriskant, doch die Kompetenzpflicht gilt voll. Hinzu kommt die Doppelrolle als Anwender und als Berater der eigenen Mandanten.
Für Anwaltskanzleien ist der EU AI Act ein Thema mit zwei Seiten. Auf der einen Seite ist die eigene KI-Nutzung, etwa für Recherche oder Schriftsatzentwürfe, in aller Regel nicht hochriskant. Auf der anderen Seite gilt die KI-Kompetenz-Pflicht voll, und die besonderen Berufspflichten machen den sorgfältigen Umgang mit KI gerade hier wichtig. Dazu kommt eine Doppelrolle, die kaum eine andere Branche hat: Anwälte sind nicht nur Anwender, sondern auch Berater ihrer Mandanten zu genau diesem Gesetz.
Ist KI in der Kanzlei hochriskant?
Meistens nicht. Der AI Act stuft KI im Justizbereich nur dann als hochriskant ein, wenn sie von einer Justizbehörde oder in deren Auftrag eingesetzt wird, um Fakten und Recht zu recherchieren und auf einen konkreten Fall anzuwenden. Eine private Kanzlei, die KI für die eigene Recherche oder für Entwürfe nutzt, handelt nicht im Auftrag eines Gerichts und fällt damit nicht in diese Hochrisiko-Kategorie.
Das ist die Entwarnung. Die andere Seite folgt sofort.
Warum Kompetenz hier besonders zählt
Die KI-Kompetenz-Pflicht aus Artikel 4 gilt unabhängig von der Risikostufe. Und gerade im anwaltlichen Alltag sind die Folgen mangelnder Kompetenz besonders gravierend:
- Genauigkeit. KI-Werkzeuge können überzeugend klingende, aber erfundene Quellen oder Urteile liefern. Wer das nicht erkennt und ungeprüft übernimmt, riskiert Fehler mit erheblichen Folgen für Mandant und Kanzlei.
- Verschwiegenheit. Die anwaltliche Schweigepflicht ist ein hohes Gut. Vertrauliche Informationen dürfen nicht unbedacht in öffentliche KI-Werkzeuge gelangen.
- Datenschutz und Haftung. Mandantendaten sind besonders sensibel, und für fehlerhafte Arbeit haftet die Kanzlei.
Das Halluzinations-Risiko
Sprachmodelle erzeugen flüssigen, plausiblen Text, auch wenn die Fakten falsch sind. In der juristischen Arbeit ist das gefährlich: Eine erfundene Fundstelle fällt im Zweifel erst vor Gericht auf. Die Lehre ist einfach: KI darf zuarbeiten, prüfen und verantworten muss der Mensch.
Die Doppelrolle: Anwender und Berater
Kein anderer Berufsstand ist so nah am EU AI Act wie die Anwaltschaft. Viele Mandanten, vom Mittelständler bis zum Start-up, sind selbst von der KI-Kompetenz-Pflicht betroffen und suchen Rat. Eine Kanzlei, die den AI Act und die eigene KI-Nutzung souverän beherrscht, berät glaubwürdiger und hebt sich ab. Eigene Kompetenz zahlt sich hier also doppelt aus.
Was Kanzleien jetzt tun sollten
Erfassen Sie, welche KI-Werkzeuge in der Kanzlei genutzt werden. Legen Sie klare Regeln fest, vor allem zum Umgang mit Mandantendaten und zur Pflicht der menschlichen Prüfung. Sorgen Sie für die KI-Kompetenz aller, die mit KI arbeiten, und dokumentieren Sie die Schulung. Worauf es beim Nachweis ankommt, lesen Sie unter KI-Kompetenz nachweisen.
Den vollständigen Rahmen erklärt der Leitfaden zu Artikel 4. Wann KI überhaupt als hochriskant gilt, lesen Sie im Beitrag zu Hochrisiko-KI-Systemen.
Häufige Fragen
Ist KI in der Anwaltskanzlei hochriskant?+
In der Regel nein. Die Hochrisiko-Einstufung des AI Act für den Justizbereich betrifft KI, die von einer Justizbehörde oder in deren Auftrag eingesetzt wird. Die typische Nutzung in einer Kanzlei für Recherche oder Entwürfe fällt nicht darunter. Die KI-Kompetenz-Pflicht aus Artikel 4 gilt aber voll.
Darf ich Mandantendaten in ein KI-Werkzeug eingeben?+
Nur mit großer Vorsicht. Die anwaltliche Verschwiegenheitspflicht und der Datenschutz setzen enge Grenzen. Vertrauliche Mandantsinformationen gehören nicht ungeprüft in öffentliche KI-Werkzeuge. Klare interne Regeln sind hier Pflicht.
Muss ich meine Mandanten zum AI Act beraten?+
Viele Mandanten sind selbst von der KI-Kompetenz-Pflicht betroffen. Wer sie kompetent beraten will, muss den AI Act selbst verstehen. Eigene KI-Kompetenz ist für Kanzleien damit doppelt wertvoll, als Anwender und als Berater.
Quelle: Verordnung (EU) 2024/1689 (EU AI Act), EUR-Lex. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.