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KI in der Steuerberatung: EU AI Act für Steuerberater
Steuerkanzleien nutzen KI für Buchhaltung, Recherche und Entwürfe. Diese Anwendungen sind meist nicht hochriskant, doch die Kompetenzpflicht gilt voll. Hinzu kommt die Rolle als Berater der eigenen Mandanten.
Steuerkanzleien gehören zu den frühen Nutzern von Automatisierung. Buchhaltungssoftware, Belegerkennung, Recherchewerkzeuge: KI ist hier längst Alltag. Für den EU AI Act gilt das Gleiche wie bei der Anwaltschaft. Die eigene Nutzung ist meist nicht hochriskant, die Kompetenzpflicht gilt aber voll, und die besonderen Berufspflichten machen den sorgfältigen Umgang wichtig. Dazu kommt die Rolle als Berater der eigenen Mandanten.
Ist KI in der Steuerberatung hochriskant?
In aller Regel nicht. Die Hochrisiko-Bereiche aus Anhang III des AI Act zielen auf Anwendungen, die unmittelbar über Grundrechte oder den Zugang zu wichtigen Leistungen entscheiden. Die typische KI in einer Steuerkanzlei, von der automatisierten Belegerfassung bis zum Rechercheassistenten, gehört nicht dazu. Sie bewegt sich meist im Bereich des begrenzten oder minimalen Risikos.
Damit ist aber nur die eine Frage beantwortet. Die Kompetenzpflicht bleibt.
Warum Kompetenz hier besonders zählt
Die KI-Kompetenz-Pflicht aus Artikel 4 gilt unabhängig von der Risikostufe. Im steuerlichen Alltag wiegen die Folgen mangelnder Kompetenz schwer:
- Genauigkeit. KI kann plausibel klingende, aber falsche Ergebnisse liefern. Im Steuerrecht, wo es auf Zahlen und Fristen ankommt, kann das teuer werden.
- Verschwiegenheit und Datenschutz. Mandantendaten sind sensibel und unterliegen der beruflichen Schweigepflicht. Sie gehören nicht unbedacht in öffentliche KI-Werkzeuge.
- Haftung. Für fehlerhafte Beratung haftet die Kanzlei. Eine KI nimmt diese Verantwortung nicht ab.
Zuarbeit ja, Verantwortung nein
Eine KI, die Belege vorerfasst oder einen ersten Entwurf für ein Schreiben liefert, ist eine sinnvolle Hilfe. Die fachliche Prüfung und die Verantwortung bleiben aber beim Steuerberater. Wer das verinnerlicht hat, nutzt KI sicher und gewinnbringend.
Die Beraterrolle als Chance
Wie Anwälte sind auch Steuerberater nah an ihren Mandanten und genießen großes Vertrauen. Viele dieser Mandanten, gerade kleine und mittlere Unternehmen, sind selbst von der KI-Kompetenz-Pflicht betroffen, ohne es zu wissen. Ein Steuerberater, der den AI Act versteht, kann hier mit einem wertvollen Hinweis punkten und sich als kompetenter Partner zeigen. Eigene KI-Kompetenz wird so zum Vorteil im Wettbewerb.
Was Steuerkanzleien jetzt tun sollten
Erfassen Sie, welche KI-Werkzeuge in der Kanzlei im Einsatz sind. Legen Sie Regeln fest, besonders zum Umgang mit Mandantendaten und zur menschlichen Prüfung. Sorgen Sie für die KI-Kompetenz Ihres Teams und dokumentieren Sie die Schulung. Wie Sie das im Team umsetzen, lesen Sie unter KI-Schulung für Mitarbeiter.
Den vollständigen Rahmen erklärt der Leitfaden zu Artikel 4. Wann KI als hochriskant gilt, lesen Sie im Beitrag zu Hochrisiko-KI-Systemen.
Häufige Fragen
Ist KI in der Steuerberatung hochriskant?+
In der Regel nein. Die typische Nutzung in einer Steuerkanzlei für Buchhaltung, Recherche oder Entwürfe fällt nicht unter die Hochrisiko-Bereiche aus Anhang III. Die KI-Kompetenz-Pflicht aus Artikel 4 gilt aber voll.
Darf ich Mandantendaten in ein KI-Werkzeug eingeben?+
Nur mit Vorsicht. Die berufliche Verschwiegenheitspflicht und der Datenschutz setzen enge Grenzen. Sensible Mandantsinformationen gehören nicht ungeprüft in öffentliche KI-Werkzeuge. Klare interne Regeln sind Pflicht.
Sollte ich meine Mandanten zum AI Act beraten?+
Viele Mandanten sind selbst von der KI-Kompetenz-Pflicht betroffen und schätzen einen Hinweis. Wer den AI Act selbst versteht, kann hier mit einem zusätzlichen Service punkten und die eigene Kompetenz sichtbar machen.
Quelle: Verordnung (EU) 2024/1689 (EU AI Act), EUR-Lex. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.