KI in der Versicherung: EU AI Act für Versicherer und Makler

Die Versicherungsbranche setzt KI an vielen Stellen ein, von der Tarifierung bis zur Schadenbearbeitung. Einige dieser Anwendungen sind hochriskant. Dieser Beitrag ordnet ein, was der EU AI Act für Versicherer und Makler bedeutet.

Henning MichalekStand: 25. Juni 20262 Min. Lesezeit

Die Versicherungsbranche arbeitet seit jeher mit Daten und Wahrscheinlichkeiten, also mit genau dem Stoff, aus dem KI gemacht ist. Entsprechend breit ist der Einsatz, von der Tarifierung über die Schadenbearbeitung bis zur Betrugserkennung. Der EU AI Act betrifft diese Anwendungen unterschiedlich stark. Manche sind hochriskant, viele nicht. Dieser Beitrag schafft Klarheit für Versicherer und Makler.

Welche Anwendungen hochriskant sind

Der AI Act benennt in Anhang III ausdrücklich die Risikobewertung und Preisbildung gegenüber natürlichen Personen in der Lebens- und Krankenversicherung als Hochrisiko-Bereich. Der Grund liegt auf der Hand: Hier entscheidet KI mit darüber, ob und zu welchen Konditionen ein Mensch Versicherungsschutz erhält. Das kann existenziell sein.

Andere KI-Anwendungen im Versicherungsalltag sind in der Regel nicht hochriskant. Ein Chatbot im Kundenservice, ein Werkzeug zur Dokumentenerfassung oder eine einfache Automatisierung von Routinevorgängen fällt meist in den Bereich des begrenzten oder minimalen Risikos.

Zwei Anwendungen, zwei Stufen

Ein Versicherer nutzt KI, um eingehende Schadenmeldungen automatisch zu kategorisieren und an die richtige Abteilung zu leiten. Das ist nicht hochriskant. Derselbe Versicherer nutzt KI, um in der Krankenversicherung individuelle Risikoaufschläge zu berechnen. Das ist hochriskant, denn es entscheidet über den Zugang und den Preis zu einem wichtigen Schutz.

Welche Pflichten gelten

Für die hochriskanten Anwendungen verlangt der AI Act unter anderem eine wirksame menschliche Aufsicht, Transparenz und Maßnahmen gegen Diskriminierung. Letzteres ist in der Versicherung besonders wichtig. Eine Tarifierungs-KI, die auf verzerrten Daten beruht, kann bestimmte Personengruppen systematisch benachteiligen, mit erheblichem Reputations- und Haftungsrisiko. Die allgemeinen Hochrisiko-Pflichten beschreibt der Beitrag zu Hochrisiko-KI-Systemen.

Die KI-Kompetenz im Versicherungsbetrieb

Unabhängig von der Risikostufe gilt die KI-Kompetenz-Pflicht aus Artikel 4 für alle, die mit den Systemen arbeiten, in der Tarifierung, der Schadenbearbeitung oder der Beratung. Auch Maklerbetriebe sind betroffen, sobald sie KI nutzen. Die Mitarbeiter müssen verstehen, wie ein Ergebnis zustande kommt und wann sie es nicht ungeprüft übernehmen dürfen.

Was Versicherer und Makler jetzt tun sollten

Erfassen Sie, wo im Betrieb KI eingesetzt wird. Prüfen Sie, ob eine Anwendung in die Risikobewertung oder Preisbildung in der Lebens- oder Krankenversicherung eingreift; dann gelten die Hochrisiko-Pflichten. Stellen Sie für diese Fälle eine echte menschliche Aufsicht sicher. Und sorgen Sie für die KI-Kompetenz Ihres Teams und dokumentieren Sie das.

Den vollständigen Rahmen erklärt der Leitfaden zu Artikel 4. Wie die Sanktionen tatsächlich aussehen, lesen Sie unter Bußgelder und Sanktionen.

Häufige Fragen

Ist KI in der Versicherung hochriskant?+

Teilweise. KI zur Risikobewertung und Preisbildung gegenüber natürlichen Personen in der Lebens- und Krankenversicherung zählt nach Anhang III zu den Hochrisiko-Systemen. Andere Anwendungen wie Chatbots oder Dokumentenverarbeitung sind das in der Regel nicht.

Gilt das auch für Versicherungsmakler?+

Wer KI-Systeme im eigenen Geschäft einsetzt, ist Betreiber im Sinne der Verordnung, ob Versicherer oder Makler. Die KI-Kompetenz-Pflicht aus Artikel 4 gilt damit auch für Maklerbetriebe, sobald sie KI nutzen.

Worauf muss ich bei KI-Tarifierung achten?+

Auf eine wirksame menschliche Aufsicht und auf Nicht-Diskriminierung. KI, die mit verzerrten Daten trainiert wurde, kann Menschen unsachlich benachteiligen. Eine nachvollziehbare, überprüfbare Entscheidung ist sowohl Pflicht als auch Schutz vor Reputations- und Haftungsrisiken.

Quelle: Verordnung (EU) 2024/1689 (EU AI Act), EUR-Lex. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

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