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EU AI Act für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
KMU sind vom EU AI Act betroffen, aber meist weniger streng, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Dieser Beitrag zeigt, was kleine Unternehmen wirklich tun müssen und wo die Verordnung ihnen entgegenkommt.
Wenn vom EU AI Act die Rede ist, denken viele an Konzerne mit eigenen Compliance-Abteilungen. Für kleine und mittlere Unternehmen klingt das schnell bedrohlich und überfordernd. Tatsächlich ist die Lage für die meisten KMU entspannter, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Sie sind betroffen, aber die Verordnung ist abgestuft und kommt kleineren Unternehmen an mehreren Stellen entgegen. Dieser Beitrag zeigt, was wirklich zählt.
Gilt der AI Act auch für kleine Unternehmen?
Ja. Der AI Act macht keine Ausnahme nach Unternehmensgröße. Sobald Sie KI einsetzen, gilt die Pflicht zur KI-Kompetenz aus Artikel 4 auch für Sie, ob mit drei oder dreihundert Beschäftigten.
Die wichtige Einschränkung ist eine andere: Die strengen Pflichten der Hochrisiko-Stufe betreffen nur bestimmte Einsatzfelder. Ein typisches KMU, das KI für Texte, Angebote, Recherche oder einfache Automatisierung nutzt, bewegt sich meist im Bereich des geringen oder minimalen Risikos. Dort gibt es kaum besondere Auflagen, abgesehen von der Kompetenzpflicht und einfachen Transparenzregeln.
Was KMU konkret tun müssen
Das Pflichtprogramm ist überschaubar. Es geht im Kern um zwei Dinge: zu wissen, welche KI man einsetzt, und sicherzustellen, dass die damit befassten Personen kompetent damit umgehen.
Konkret bedeutet das, den eigenen KI-Einsatz einmal sauber zu erfassen, die genutzten Werkzeuge grob nach Risiko einzuordnen, die beteiligten Mitarbeitenden zu schulen und diese Schulung zu dokumentieren. Wie Sie die Schulung im Team aufsetzen, lesen Sie unter KI-Schulung für Mitarbeiter.
Wo der AI Act KMU entgegenkommt
Die Verordnung nimmt ausdrücklich Rücksicht auf kleinere Unternehmen. Drei Erleichterungen sind besonders relevant:
- Verhältnismäßige Bußgelder. Für KMU und Start-ups gilt bei Geldbußen jeweils der niedrigere der beiden möglichen Werte. Mehr dazu im Beitrag zu Bußgeldern und Sanktionen.
- Vereinfachte Dokumentation. Müssen KMU doch einmal Hochrisiko-Pflichten erfüllen, dürfen sie die technische Dokumentation in vereinfachter Form führen.
- Zugang zu Reallaboren. KMU erhalten bevorzugten Zugang zu den regulatorischen Reallaboren, in denen KI unter Aufsicht erprobt werden kann.
Der pragmatische Ansatz
Für die meisten KMU reicht ein klarer, einmal aufgesetzter Prozess: Welche KI nutzen wir, wer arbeitet damit, sind diese Personen geschult, und ist das festgehalten. Das ist keine Compliance-Abteilung nötig, sondern gesunder Menschenverstand plus eine kompakte Schulung.
Der Vier-Schritte-Plan für KMU
- Erfassen. Listen Sie auf, welche KI-Werkzeuge im Betrieb genutzt werden, auch die inoffiziellen.
- Einordnen. Prüfen Sie grob, ob eines davon in einen sensiblen Bereich fällt. Meist ist das nicht der Fall.
- Schulen. Sorgen Sie für ausreichende KI-Kompetenz der beteiligten Personen, kompakt und verständlich.
- Dokumentieren. Halten Sie fest, wer wann geschult wurde.
Damit erfüllen Sie als KMU die zentrale Anforderung des AI Act mit vertretbarem Aufwand. Den vollständigen Rahmen erklärt der Leitfaden zu Artikel 4.
Häufige Fragen
Sind kleine Unternehmen vom EU AI Act ausgenommen?+
Nein. Eine Ausnahme nach Unternehmensgröße gibt es nicht. Die KI-Kompetenz-Pflicht aus Artikel 4 gilt auch für das kleinste Unternehmen, sobald es KI einsetzt. Allerdings nutzen KMU meist KI mit geringem Risiko, sodass die schweren Hochrisiko-Pflichten selten greifen.
Welche Erleichterungen sieht der AI Act für KMU vor?+
Mehrere: Geldbußen sind auf den jeweils niedrigeren der beiden Werte begrenzt, die technische Dokumentation für Hochrisiko-Systeme darf vereinfacht erfolgen, und KMU erhalten bevorzugten Zugang zu den regulatorischen Reallaboren.
Was muss ein kleines Unternehmen mindestens tun?+
Den eigenen KI-Einsatz erfassen, die genutzten Werkzeuge grob nach Risiko einordnen, die beteiligten Personen schulen und das dokumentieren. Für die meisten KMU ist das mit überschaubarem Aufwand machbar.
Quelle: Verordnung (EU) 2024/1689 (EU AI Act), EUR-Lex. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.